Halbschlafgedanken

Ich bin kein guter Aufsteher.
Zu den Langschläfern zähle ich nicht. Ich gehöre zum Club der morgendlichen Halbschläfer und Halbschlafgedanken.
Es gibt ja Leute, die nutzen jede Ausschlafsekunde, stehen auf und brauchen dann nur wenige Minuten bis sie das Haus verlassen.
Sehr suspekt.
Solange brauche ich, um Zahnpasta auf die Bürste zu schmieren – im Idealfall die Zahnbürste.

Natürlich kann ich ebenfalls sofort aufstehen! Mein morgendliches Sofort unterscheidet sich nur minimal von den Soforttaten des restlichen Tages.

Ungemütlich am morgendlichen Halbschläferdasein sind zum Glück lediglich mein Orientierungssinn und mein Unmut angequatscht zu werden.
Bis ich den Weg zu meinem Kaffee finde dauert es eine Weile und ansprechbar bin ich 2 bis 3 Tassen später. Das geht schon klar.
Schön daran ist, dass ich im Halbschlaf schicke Ideen habe.

Herrlich versunken im weichen, warmen und kuscheligen Deckenmeer, drehe und wende ich mich, sehe Halbträume, kurze Bilder und wälze mich in den ersten Gedankenfunken des Tages.
Interessante, sinnvolle und motivierende Gedanken ziehen vorbei.
Wunderbar!
Neue, tolle Ideen.

Da ich heute Zeit habe, rappele ich mich besser sofort auf! Also – nach der ungefähr 43sten Umdrehung. Ich muss ja flott sein, ansonsten sind die Ideen verloren.
Ich brauche einen Stift. Nur ein paar Stichworte aufschreiben. Eine Idee zwischen die Routine quetschen.
Ich muss nur zuerst meinen Kaffee finden. Nein, in Richtung Balkon ist er sicherlich nicht. Küche gefunden und dabei nicht einmal gegen einen Türrahmen gelaufen!
Guten Morgen und herzlichen Glückwunsch an mich.

Mein erstes Ziel ist somit erreicht und in den nächsten Minuten bis zum ersten Schluck arbeitet mein Gehirn sensationell konzentriert und am absolut multitaskunfähigsten. In etwa so:
Kaffee – Kaffee – Kaffee.
Ich suche in den Schubladen nach der Milch, im Kühlschrank nach der Tasse, stelle die Tasse auf die Herdplatte, gieße Milch an den für Pulver vorgesehenen Platz und starre zwischenzeitlich die Spülmaschine an – auf der Suche nach irgendeinem Vorhaben.  Bestimmt einfach nur, weil ich es kann.

Der Kaffee blubbert. Sogar meine Lieblingstasse steht bereit. Supergirl. Da fühle ich mich gleich mächtiger. Hoho!

War da nicht noch was?

Ich habe nach etwas gesucht. Wonach?

Ha! Ein Stift! Ich wollte etwas aufschreiben! Was war das noch gleich?
Vielleicht kommt es wieder, wenn ich die Zimmer abklappere.


Leider funktioniert das morgens keineswegs. Keine Blitzerinnerung und keine roten Fäden.
Die Räume voller Halbschlafgedanken bleiben garantiert unauffindbar.

 

Ich kann nur hoffen, dass die halben Gedanken nur im Halbschlaf so spektakulär erscheinen.

Halbschlafgedanken Lieblingstasse

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