Das Nachtlicht und die Realität

Das eigensinnigste Licht der Nacht schleicht durch die Vorhänge und versucht unnachgiebig deinen Körper aus dem Schatten zu heben. Ich frage mich, wessen Partei es damit ergreift. Ist es dein Verbündeter, so zeigt es mir deinen schönsten Schlaf, straft mich zugleich mit dem romantischen Blick auf deine atemberaubende Silhouette. Wunderschön bist du immer gewesen.

Bei so viel offensichtlicher Starrköpfigkeit muss es wissentlich geschehen. Der Fingerzeig des nächtlichen Lichtes stört deine Ruhe keineswegs, während sie mich in das Gefühl der Ferne zwängt. Als lägen wir gar nicht zu zweit. Es ist unbehaglich, kneift, spannt an meiner Kehle und gaukelt trügerisch, dass ich nichts mehr brauche, als dass du aufwachst und deine Nacht mit mir verbringst.

Dann spüre ich das Treten und Kratzen dieser alten Liebe und weiß, dass du ein Teil von mir bist. Ich rücke näher, um das Leiden der Ferne auszuradieren. Heuchlerisch. Du ahnst nicht, wie schwer mein Herz wiegt und ich durchschaue deines nicht.

Unerwartet wuchtig schlägt die Realität gegen die ergrauten Zweifel. Sie kreist über die halbtoten Fragen, die einst ärgerliche Kompromisse waren und längst nicht mehr gestellt werden. Belächelt gnadenlos unseren teilenden Teil, welcher längst nicht mehr zugänglich ist.

Ich grabe mich in deinen Nacken und kralle mich in unsere Überreste.

Sind Menschen fähig, Momente ihrer Zeit zu berauben? Dann verhandele ich mit meinem Glück. Vielleicht hätten wir gemeinsam einen solchen Stillstand einfangen sollen. Lange bevor heute.

Ich setze alles aufs Spiel. Ich lasse nichts unversucht, um dieser Nacht die Zeit zu stehlen.
Damit dir die Minute entgeht, in der ich dich verlasse.

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